Datenauswertung ·

Die Farben des Kinos: Filme sind wärmer geworden, nicht blauer

Wir haben 1.496 Filme Bild für Bild in ihre Farben zerlegt. Das Ergebnis: In den 1960ern waren 12 % der Filmzeit von warmen Farben geprägt, in den 2020ern sind es 32 %. Kühle Blau- und Türkistöne blieben fast gleich (6 % und 10 %), und der Anteil nahezu farbloser Bilder fiel von 70 % auf 43 %. Filme sind also nicht blauer geworden, sondern wärmer.

Gruppenposter mit Lieblingsfilmen in einem Wohnraum

So haben wir gemessen

Aus jedem Film nehmen wir vier Bilder pro Sekunde, ohne Vorspann und Abspann. Jedes Bild zerlegen wir in seine fünf Hauptfarben. Ein Moment zählt als warm, wenn farbige Flächen mindestens 15 % des Bildes bedecken und Rot-, Orange-, Gelb- oder Magentatöne überwiegen, als kühl, wenn Türkis und Blau überwiegen. Fast farblos ist ein Moment, dessen Durchschnittsfarbe praktisch grau ist; Schwarzweißfilme gehören vollständig dazu.

Es ist dieselbe Analyse, aus der unsere Poster entstehen. Die Zahlen sind also keine Schätzung, sondern das Mittel über mehrere Millionen ausgewertete Bilder.

Wie aus einem Film ein Poster wird

Jedes Jahrzehnt als Farbstreifen

Für jeden Film steht hier ein Streifen in seiner prägendsten Farbe, sortiert von grau über warm zu kühl. Zwei Dinge fallen auf: Der graue Block links wird von Jahrzehnt zu Jahrzehnt kürzer, und der breiteste farbige Bereich liegt in den Braun-, Ocker- und Orangetönen.

Ein Streifen pro Film: seine prägendste Farbe. Sortiert von fast farblos (links) über warme zu kühlen Tönen.
Anteil der Filmzeit nach Farbcharakter, Durchschnitt pro Jahrzehnt
JahrzehntFilmeWarmKühlFast farblos
vor 196038 15 % 7 % 74 %
1960er42 12 % 6 % 70 %
1970er44 19 % 8 % 62 %
1980er122 23 % 8 % 56 %
1990er196 26 % 10 % 51 %
2000er322 31 % 10 % 44 %
2010er390 31 % 11 % 43 %
2020er342 32 % 10 % 43 %

Wärmer, nicht blauer

Oft heißt es, moderne Filme sähen alle „teal and orange“ aus, also türkis und orange. In unseren Daten stimmt nur die eine Hälfte: Warme Töne haben stark zugenommen, von 12 % auf 32 % der Filmzeit. Kühle Töne liegen dagegen seit Jahrzehnten bei rund einem Zehntel.

Der größte Sprung liegt zwischen den 1990ern und den 2000ern. Das fällt mit dem Wechsel zur digitalen Farbkorrektur zusammen, bei der Farben für den ganzen Film am Rechner eingestellt werden. Ob das die Ursache ist, können unsere Zahlen allein nicht zeigen, aber das Timing passt.

Animation ist das farbigste Genre, Kriegsfilm das farbloseste

Bei Animation sind 71 % der Filmzeit deutlich farbig, bei Kriegsfilm nur 26 %. Am dunkelsten ist im Schnitt das Genre Horror, am hellsten Animation. Animations- und Familienfilme haben außerdem den größten Anteil kühler Töne: Himmel, Wasser, Schnee.

Anteil der Filmzeit nach Farbcharakter, Durchschnitt pro Genre (ab 60 Filmen; ein Film kann mehrere Genres haben)
GenreFilmeWarmKühlFast farblos
Animation208 46 % 25 % 23 %
Familie300 44 % 19 % 29 %
Fantasy272 35 % 14 % 37 %
Komödie427 37 % 11 % 40 %
Abenteuer536 31 % 14 % 42 %
Liebesfilm176 34 % 7 % 44 %
Action547 24 % 11 % 50 %
Science Fiction338 23 % 12 % 51 %
Krimi221 26 % 7 % 52 %
Drama479 26 % 6 % 53 %
Horror118 24 % 7 % 54 %
Thriller377 22 % 8 % 54 %
Mystery110 21 % 7 % 56 %
Historie67 21 % 7 % 56 %
Kriegsfilm63 20 % 6 % 57 %

Was die Zahlen nicht sagen

Die 1.496 Filme sind eine große Filmsammlung, keine Zufallsstichprobe aller Filme. Ältere Jahrzehnte sind mit weniger Filmen vertreten, und das sind vor allem Klassiker. Restaurierungen und Neuabtastungen können die Farben alter Filme verändern. Und „warm“ heißt nicht „bunt“: Ein Großteil der warmen Zeit sind gedämpfte Braun- und Hauttöne.

Für die Grundaussage reicht das trotzdem: Der Unterschied zwischen den 1960ern und heute ist groß, und er zeigt sich in jedem Jahrzehnt in dieselbe Richtung.

Und dein Lieblingsfilm?

Jede Filmseite in unserem Katalog zeigt die Farben des Films: ob er warm oder kühl ist, seine Hauptfarben und den farbigsten Moment. Als Poster wird daraus ein Bild für die Wand, ab 24 €.

Filme entdecken

Häufige Fragen

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Sind Filme heute farbiger als früher?

Ja, in unserer Auswertung von 1.496 Filmen deutlich: Der Anteil warmer, farbiger Filmzeit stieg von 12 % in den 1960ern auf 32 % in den 2020ern. Kühle Töne blieben bei rund einem Zehntel.

Welches Filmgenre ist am farbigsten?

Animation: 71 % der Filmzeit sind deutlich farbig. Am wenigsten farbig ist Kriegsfilm mit 26 %.

Was ist ein Movie Barcode?

Ein Bild, in dem jeder Moment eines Films als schmaler Farbstreifen steht, vom Anfang links bis zum Ende rechts. So sieht man die Farbwelt eines ganzen Films auf einen Blick.